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Windtech Tempest
Testpilot: Peter Feichtinger
Gleitschirm Magazin
Nach dem Erfolg des Leistungsflügels Windtech Quarx im Jahr 2000 lief anschließend die Homologation für den Quarx 2 und den Hochleister Syncro nicht ganz nach Plan. Mit dem neuen Tempest hat der spanische Hersteller jetzt wieder ein Streckenpferd mit DHV2- Homologation im Programm…
Vor fünf Jahren hat der nordspanische Hersteller Windtech mit dem Quarx erstmals den deutschen Markt ins Visier genommen. Der schöne Flügel mit dem seltsamen Namen und einer 2er-Einstufung wurde prompt auch in unseren Breiten ein Erfolg. Als das Team um Konstrukteur Alvaro Valdés mit dem Serak gleich noch ein Erfolgsmodell draufsetzte, schien sich ein neuer Hersteller schnell am deutschsprachigen Markt zu etablieren.
Doch dann kamen einige Rückschläge: Der Quarx-Nachfolger Quarx 2 schaffte nur die L-Größe die DHV-Hürde, und der Hochleister Syncro scheiterte ebenfalls am deutschen Gütesiegel. Nach einigen Querelen mit der Zulassungsbehörde ist Windtech jetzt wieder voll auf dem Kurs, die neue Linie wurde im Vorjahr mit dem 1er-Tempus erfolgreich gestartet. Nur vom Namen her ähnlich, will Windtech mit dem neuen Tempest in ganz andere Gefilde vorstoßen. Schon von der Optik her ist der Flügel mit der Streckung 5,66 berauschend. Die Ansage ist daher klar: Windtech will mit dem Tempest dort anschließen, wo man im Jahr 2000 mit dem Quarx schon mal erfolgreich die Tür zum deutschsprachigen Markt weit aufgestoßen hat…
Konstruktion, Verarbeitung

| Tempest-Außenflügel - gut zu sehen die vielen kleinen Zwischenrippen |

| Vernähung der Zwischenrippen am umgeschlagenen Obersegeltuch |
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Auffälligstes und sofort ersichtliches Konstruktionsmerkmal an der Tempestkappe sind die vielen zusätzlichen Mylarverstärkungen an der Eintrittskante. Jede einzelne Zelle im Eintrittskantenbereich wird durch eine dieser Verstärkungen in der Mitte zusätzlich gestützt.
Dieses Konstruktionsmerkmal, das optisch aus dem 5,66 gestreckten Tempest einen Hochleister mit doppelt so vielen Zellen macht, wurde laut Konstrukteur Alvaro Valdés erstmals beim Wettkampfschirm Silex eingesetzt. In den darauf folgenden 4 Jahren wurde diese Technik bei den Silex-Nachfolgern Nitro und Tactic optimiert und schließlich beim Tempest übernommen.
Um diese kleinen Zwischenverstärkungen am Segel annähen zu können, wird das Tuch bei der Eintrittskante umgeschlagen und bis zum Ende der Verstärkung parallel zum Ober-bzw. Untersegel doppelt geführt. Die Eintrittskante soll so perfekt definiert sein und die Leistung vor allem beim beschleunigten Gleiten entscheidend zu verbessern. Auch sonst ist die Kappe des Zweiers sehr aufwendig gebaut. Neben diversen Diagonalrippen und breiten Querzugsbändern, setzt Windtech auf ein robustes Innenleben.
Alle Leinenaufhängungspunkte, mit Ausnahme der A-Ebene, sind mit großzügigem Mylareinsatz und langer Zugentlastung versehen. Dieser Materialeinsatz hat natürlich sein Gewicht. Mit 7,1 kg scheidet der Einsatzzweck Walk & Fly wohl aus!
Auch der Gesamteindruck der Leinenvernähung und der Verarbeitung des Tragegurtes ist sehr gut. Wer sich für einen Tempest entscheidet bekommt ein rundum solide verarbeitetes Produkt. Hand anlegen muss wohl mancher Tempest-Pilot bei der Bremsleineneinstellung. Nach dem ersten Flug musste ich jedenfalls die Hauptbremsleine um mindestens 10 cm verkürzen. Durchaus gewollt, wie eine Rückfrage bei Windtech ergab: „Aufgrund der individuellen Wünsche in diesem Bereich lässt man dem Piloten die Möglichkeit offen, die Bremsen beliebig selbst einzustellen. Und Kürzen geht leicht als verlängern…“
Startverhalten
Die Startvorbereitungen sind mit dem Tempest schnell getroffen. Die farblich getrennten Leinenebenen sind gleich sortiert, und beim Auslegen der Kappe gibt es keine besonderen Tricks zu berücksichtigen. Beim Aufziehvorgang steigt die Kappe etwas langsam aber konsequent und mit hoher Spurtreue bis an den Scheitelpunkt des Piloten und zeigt kaum Vorschießtendenz. Auch bei schwierigen Windverhältnissen besticht der Tempest durch beste Starteigenschaften. Bricht die Kappe bei Seitenwind aus, lässt sie sich schon während des Aufziehvorgangs auf die richtige Bahn lenken.
Beim Rückwärtsstart steigt die Kappe ebenfalls bei ausgezeichnetem Füllverhalten sauber hoch. Während des Aufziehvorganges kann man die Kappe leicht im Wind halten, und sie gefällt während des Ausdrehens durch präzise Reaktionen beim Stabilisieren über dem Piloten.
Flugverhalten
Wie auf Schienen zieht der Tempest durch die Luft, unbeeindruckt von Turbulenzen durchschneidet er diese und bleibt immer exakt auf seiner Bahn. Diese Grundcharakteristik zieht sich beim neuen Windtech Zweier durch alle Facetten des Fliegens. Schon bei einfachen Kurven besticht der Windtechflügel durch große Spurtreue, Schläge auf die Kappe dämpft er sehr gut und ein einmal eingeschlagener Kurvenradius wird nur verlassen, wenn ihm der Pilot über die Bremse dafür den Befehl gibt.
Dabei setzt der Zweier bei mittlerem Steuerdruck die Impulse überaus exakt um. Beim Einflug in die Thermik bleibt der Tempest neutral über dem Piloten, beim Herausfliegen aus dem Aufwind macht sich die Dämpfung ebenfalls bemerkbar und der Flügel schießt kaum vor.
Das Zentrieren im Aufwind ist mit dem XC-Flügel ein Kinderspiel, er lässt sich rund und exakt im Zentrum des Aufwindes nach oben zirkeln und gibt feines Feedback über die Bremsen. Droht der Tempest durch fehlenden Aufwind auf der Innenseite abzutauchen, zeigt er das über die Bremse sauber an, und es genügt schon geringer Steuerimpuls mit den Fingerspitzen auf der Außenseite, um den Flügel flach zu halten. So verhält sich der Schirm in Kombination mit Gewichtsverlagerung auch in turbulenten Aufwinden ausgesprochen ruhig und eckt nicht um die Kurve.
Insgesamt betrachtet liegen beim Thermikflug wohl die größten Stärken des Leistungsflügels. Sowohl im engen Aufwind auf die Flügelspitze gestellt der Schirm dreht auch dabei verhältnismäßig flach oder in weiten Kreisen in schwacher Thermik, der Tempest ist in allen Aufwinden in seinem Element.
Obwohl der Leistungsintermediate durch seine hohe Dämpfung in Turbulenzen einen braven Eindruck macht, hält er eine gute Portion Dynamik parat. Schnelle Kurvenwechsel machen mit dem Flügel echt Spaß, und schon bei mäßigem Steuerimpuls befindet man sich beim Wingover weit über dem Flügel.
Hier macht sich auch seine hohe Spurtreue bezahlt, da sich der Flügel bei schärferen Kurvenwechseln durch Turbulenzen nicht aus der Bahn bringen lässt und dadurch keine Flügelteile entlasten. Beschleunigt liegt der Zweier satt in der Luft, und obwohl die Eintrittskante schon bei geringem Beschleunigereinsatz eindellt, macht der Tempest auch bei Vmax eine gute Figur. Hier dürften die zusätzlichen Verstärkungen an den Eintrittskantenöffnungen einiges zur Stabilität beitragen.
Das Klappverhalten des Tempest gehört wahrscheinlich zu den gutmütigsten seiner Klasse. Greift der Pilot bei großflächigen seitlichen Einklappern nicht ein, taucht der Zweier mit geringer Geschwindigkeit mäßig weit ab, um zwischen 90 und 180 Grad, kaum einmal impulsiv, wieder zu öffnen. Greift der Pilot in das Geschehen ein, lässt sich der Flügel einfach und mit ausreichend Steuerwegreserve stützen. Alle Flügelteile öffnen von selbst und ausgesprochen rasch.
Abstiegshilfen
BOhrenanlegen: Das Ohrenanlegemanöver ist mit den geteilten A-Gurten einfach. Bei mittlerem Einleitewiderstand klappen die Außenflügel sauber nach unten weg. In diesem Zustand sind die Ohren leicht zu halten. Die Effizienz ist allerdings nicht allzu hoch. Durch Nachziehen und/oder gleichzeitigem Einsatz des Beschleunigungssystems kann die Effizienz nochmals etwas erhöht werden. Die Steuerbarkeit während des Manövers ist ausgezeichnet. Die Ausleitung erfolgt mit geringem Öffnungsimpuls.
B-Stall: Die Einleitung des B-Stalls erfordert mäßigen Krafteinsatz und sollte mit etwas Gefühl erfolgen. Um eine stabile Stallphase mit hoher Effizienz herbeizuführen, genügt schon wenig Zugweg an den B-Gurten. Setzt man gleichmäßigen Krafteinsatz an den beiden B-Ebenen ein. reißt die Strömung sauber ab und der Tempest bewegt sich mit stabilen 8 m/s dem Erdboden zu. Zieht man die B-Gurte zu weit herunter, kann sich die Kappe schon mal etwas verwinden. Gibt der Pilot die B-Gurte wieder frei, fährt die Kalotte verlässlich wieder an.
Steilspirale: Fast ansatzlos ist der drehfreudige Spanier in eine Spirale zu bewegen und sehr schnell erreicht man hohe Sinkwerte. In der Spirale selbst zeichnet sich der Tempest durch ausgezeichnete Manövrierbarkeit aus, schon kleinste Steuerimpulse beantwortet er mit Beschleunigung oder Energieabbau. Sehr feinfühlig lässt sich der Schirm aus der Spirale manövrieren. Vorsicht ist auch geboten, denn bei zu schneller Ausleitung setzt der Zweier überschüssige Energie schnell in Höhe um und dadurch leicht in die selbst erzeugte Wirbelschleppe geraten.
Technische Daten
| größe |
23 |
25 |
27 |
29 |
| anzahl |
61 |
61 |
61 |
61 |
| startgewicht (kg) |
60-80 |
75-95 |
90-110 |
105-130 |
| spannweite (m) |
11.45 |
11.95 |
12.38 |
12.84 |
| proj. spannweite (m) |
9.58 |
10 |
10.36 |
10.74 |
| fläche (m2) |
23.11 |
25.2 |
27.06 |
29.1 |
| proj. fläche (m2) |
20.75 |
22.59 |
24.26 |
26.1 |
| streckung |
5.66 |
5.66 |
5.66 |
5.66 |
| kappengewicht (kg) |
6.7 |
7 |
7.3 |
7.7 |
| leinenhöhe (m) |
7.36 |
7.68 |
7.96 |
8.25 |
| zertifizierung DHV |
pend. |
2 |
2 |
pend. |
| Vmin |
24 |
24 |
24 |
24 |
| Vtrim |
38 |
38 |
38 |
38 |
| Vmax |
58 |
58 |
58 |
58 |
Materialien
| obersegel: |
NCV Porcher New Skytex 9092 E85A 45 g/m2 |
| untersegel: |
NCV Porcher New Skytex 9017 E77A 40 g/m2 |
| rippen: |
NCV Porcher New Skytex 9017 E29A 40 g/m2 |
| stammleinen: |
Edelrid Aramid 1.7 mm |
| galerieleinen: |
Edelrid Aramid 1.1 mm |
Kurzbewertung
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Verarbeitung/Material: Solide und genaue Verarbeitung kombiniert mit Einsatz hochwertiger Materialien.
*****
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Starten: Etwas langsam zu Beginn des Aufziehens, sonst müstergültig in allen Disziplinen.
****
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Fliegen: Toller Zweier mit herausragenden Thermikeigenschaften bei hohen Sicherheitsreserven. Ausgezeichnetes Handling!
*****
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Ohren anlegen: Einfach und unproblematisch. Gute Steuerbarkeit während des Manövers. Nicht allzu effizient.
****
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B-Stall: Bei gefühlvoller Einleitung clurchaus praktikables und effektives Manöver.
****
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Steilspirale: Ein Meister des Spiralflugs Einfache Einleitung und exakte Dosierbarkeit zeichnen das Manöver aus.
***** |
| * |
mangelhaft |
| ** |
durchschnittlich |
| *** |
gut |
| **** |
sehr gut |
| ***** |
ausgezeichnet |
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Resümee
Mit dem Tempest bietet Windtech im Zweiersegment einen tollen Kompromiss zwischen hohen Sicherheitsreserven, Dämpfungseigenschaften und Spaßfaktor. Sowohl XC-Piloten, die auf einen unkomplizierten Flügel mit ausreichend Leistung setzen, als auch Thermikgeier mit Vorlieben im Bereich Handling werden mit dem Zweier vollauf zufrieden gestellt. Die exakte Steuercharakteristik und das agile Flugverhalten wird wohl beide Pilotengruppen gleichermaßen begeistern.
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