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Test Windtech Pulsar
Testpilot: Norbert Aprissnig
Gleitschirm Magazine
Mit dem Serak gelang dem spanischen Hersteller Windtech 2001 ein Coup in der Klasse der mit DHV 1-2 homologierten Gleitschirme. GLEITSCHIRM hat den Pulsar, den Nachfolger des Erfolgsmodells, getestet.
Ein Erfolgsmodell zu toppen ist für jeden Gleitschirmdesigner eine besonders schwierige Aufgabe. Im Falle des Serak-Nachfolgers war die Aufgabe für Windtech-Konstrukteur Alvaro Valdés klar umrissen, aber schwierig zu realisieren: Die Vorzüge des Seraks beizubehalten, die Leistung zu erhöhen, etwaige Nachteile zu eliminieren.
Am Serak gefiel ja vor allem das tolle, ausgewogene Gesamtverhalten sowie die hohe Wendigkeit und das Handling, Verbesserungswürdiges ist bei diesem Erfolgsmodell schwer zu finden.
Ich würde mir beim Serak etwas mehr Rolldämpfung wünschen und auch das Steigverhalten in schwacher Thermik hat noch Entwicklungspotential. Es hat sich herausgestellt, dass manche Piloten aufgrund der hohen Trimmgeschwindigkeit und der Tendenz, schnell viel Schräglage aufzubauen, Schwierigkeiten haben, das Steigpotential des Seraks auszuschöpfen, wenn´s mal schwächelt.
Der Windtech Pulsar ist in 4 Größen erhältlich, wobei der Pulsar 25, 27 und 30 die DHV-Zulassung 1-2 erhalten hat. Der kleine 23-er ist mit AFNOR Standard Homologation erhältlich. Alle 3 DHV-Gütesiegel erfolgten nach den alten DHV-Testkriterien. Diese Information ist vor allem im direkten Vergleich mit aktuellen 1-2-er-Geräten wie z.B. Nova Syntax, Swing Mistral 3, Airwave Sport 2 oder Gradient Golden wichtig, da die Pendelneigung bei obigen nach neuen Bauvorschriften getestet wurden und einen Einfluss auf die Dynamik nach Störungen aber eventuell auch in Bezug auf die Kurvendynamik hat. Als Testgerät kam ein Pulsar 27 zum Einsatz.
Konstruktion

| Tragegurt und Leinen sind sauber verorbeitet, der Pulsar glänzt zudem durth hochwertigen Materialeinsctz wie Vollmetolirollen van AusiriAlpin und Mognetverbinder für die Bremsgriffe. |
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Äusserlich unterscheidet sich der Pulsar nur gering vom Serak, Alvaro Valdés hat die Streckung mit 5.13 gegenüber dem Serak nur geringfügig erhöht. Die Kappe wird aus 52 Zellen aufgebaut, im Inneren werden verschiedenste Diagonalrippensysteme eingesetzt, um einen homogenen Flügel zu ermöglichen. "Um Diagonalrippen sinnvoll einzusetzen, es ist notwendig, diese Technik den verschiedensten Teilen des Flügels exakt anzupassen", so Valdés. Dies sei nähtechnisch aufwendiger, aber bringe für das Flugverhalten viel. Und von der Vernähung ist der Pulsar auch qualitativ hochwertig. Saubere Segelmachernähte, stabil im Segelinneren verarbeitete Leinenanlenkungen, gute Abschlüsse und Schutzbänder zeugen von einem hohen Verarbeitungsniveau. Selbstverständlich sind alle Nähte zwischen den Bahnen am Ober- und Untersegel innenliegend vernäht. Dies gilt auch für die verschiedenen Designübergänge - keine leichte Aufgabe beim neuen, oftmals verzackten Windtechdesign.
Sauber vernäht sind auch die verschieden starken Kevlar-Leinen. Dyneema-Material verwendet Windtech nur bei den unteren Bremsleinen.
Keinen qualitativen Ausreißer leistet sich Windtech auch bei den Tragegurten: auch sie sind sauber vernäht. Vollmetallrollen von AustriAlpin sowie Metall-Magnetverbinder für den Bremsgriff runden diesen hochwertigen Eindruck ab, die Fixierung der Leinen in den Leinenschäkeln übernehmen Plastikclips. Der gemessene Beschleunigungsweg von ca. 35 cm stellt in dieser Klasse wohl einen Spitzenwert dar. Abhängig vom Gurtzeugtyp ist es beim Pulsar da schon notwendig, eine zweite Beschleunigersprosse einzusetzen.
Starteigenschaften
Die Starteigenschaften des Pulsar lassen keine Wünsche offen. Die Kappe steigt leichtgängig, gleichmäßig füllend über den Piloten. Weder eine Tendenz zum Hängenbleiben noch zum übermäßigen Vorschießen konnte ich dabei feststellen. Beim Starkwindrückwärtsstart sollte der Pilot versuchen, den Pulsar über den A-Tragegurt schnell nach oben zu führen. Korrekturen im ersten Drittel der Steigphase sollten vermieden werden, da der Pulsar in diesem Bereich zu schwer kontrollierbaren Gierbewegungen neigt. Dazu kann es auch kommen, wenn die Kappe in schwachen Bedingungen wieder nach hinten fällt. Steht der Pulsar allerdings über dem Piloten, ist die Kontrolle sehr einfach und leicht, und es macht so richtig Spaß, sich am Boden im Starkwind mit Intermediate auszutoben.
Flugverhalten
Ich hatte das Fluggefühl und Verhalten des Seraks noch ganz gut in Erinnerung und so war ich nach dem ersten Abheben natürlich besonders gespannt, wie sich der Nachfolger "anfühlen" würde. Meine ersten Eindrücke (und die sind ja oft die besten): Die Kappe ist weicher und geschmeidiger als beim Serak, die Steuerdrücke etwas geringer, das Handling sehr gut (wie beim Serak), aber vom Gefühl her etwas anders, und die Trimmgeschwindigkeit ist um einen Tick geringer (was die Messungen bestätigen, aber dazu später). Da ich mich auf die Erinnerung alleine nicht verlassen wollte, hing ich mich auch noch einmal unter einen Serak 27. Dieser Flug bestätigte meine Eindrücke der ersten Flüge mit dem Pulsar.
Die etwas weichere Kappe bietet vor allem in schwachen Bedingungen in Bezug auf das Steigverhalten Vorteile. Der Pulsar ist mittels Gewichtsverlagerung und Bremsen auch in schwachen thermischen Bedingungen gut flach zu halten. Eine mögliche Leistungsminderung durch die zu hohe Schräglage ist daher beim Pulsar kaum zu beobachten. Dabei hilft auch die gegenüber dem Serak leicht reduzierte Trimmgeschwindigkeit. Während die Messung beim Serak sensationelle 38 km/h ergab, pendelt sich der Pulsar bei klassenüblichen 37 km/h ein. Erstaunlich wie stark sich 1 km/h Unterschied in der diffizilen Welt des Thermikfliegens auswirken kann!
In kräftiger Thermik ist der Pulsar dann erst recht in seinem Element. Das Herz des Piloten schlägt freudig höher, wenn das Vario stark anschlägt und man den Pulsar mit engen Kurven nach oben zirkelt. Obwohl die Kappe - wie schon erwähnt - etwas weicher als beim Vorgänger erscheint, bleibt der Pulsar willig im Aufwindschlauch. Über die Bremsen erfühlt man exakt die Fluglage sowie die verschiedensten Luftströmungen.
Weiterhin macht es mit dem Windtech-Intermediate viel Spaß, im dynamischen Aufwind zu soaren, kleinere oder auch größere Wing Over einzustreuen, und einfach das Potential dieses tollen Flügels auszuschöpfen.
In Turbulenzen kann es natürlich mit dem Pulsar auf Grund des etwas weicheren Außenflügels leichter vorkommen, dass einmal "ein Ohr raschelt, insgesamt verhält sich die Kappe aber sehr stabil und gibt an den aktiv fliegenden Piloten sehr viele Rückmeldungen.
Konstrukteur: Alvaro Valdes
Pflichtenheft:
Einen neuen 1-2er zu konstruieren unter Beibehaltung der herausragenden Eigenschaften des Vorgängers Seraks. Verbesserung der Leistung und Eliminrerung etwaiger Nachteile.
Eingesetzte Mittel:
Test und Einsatz veränderter Profile. Beibehaltung der Größenverhättnisse und der Streckung, da sich diese Parameter beim Serak ats optimal herausgestellt haben. |
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Bei simulierten, seitlichen Einklappern verhält sich der Pulsar brav und öffnet nach längstens 180º Drehwinkel. Erst bei brutalen, dynamischen Zerstörern (> 60%) neigt die Kappe zu leichtem Vorschießen, öffnet aber trotzdem nach längstens 180º, wobei sich die Drehgeschwindigkeit ohne Zutun des Piloten verringert. Durch dosiertes Gegenbremsen ist der Pulsar sehr einfach auf Kurs zu halten. Konstrukteur Alvaro Valdés hat nicht nur notwendigerweise auf das Extremflugverhalten bei Einklappern hingearbeitet sondern einen Schritt vorher angesetzt: "Schon der Serak wurde für seine aktive Sicherheit gelobt, beim Pulsar habe ich die Eigenschaft verwirklicht, in der Praxis gar nicht so stark einzuklappen!"
Im Geradeflug macht sich die erhöhte Rolldämpfung durch mehr Spurtreue positiv bemerkbar. Besonders in extrem turbulenter Luft, bei langen Talquerungen, musste man beim Serak, wenn er mal ins Rollen kam, viel mehr korrigieren. Der Pulsar verhält sich da vielmehr wie ein Streckenfluggerät der neuesten Generation.
Leichtgängig im Einsatz ist auch das Fußbeschleunigungssystem, stabil wirkt der Pulsar im Schnellflug. Der XC-Pilot kann so über das gesamte Geschwindigkeitsspektrum verfügen und je nach Turbulenzen und Sinkrate auch mal längere Zeit "Halbgas" fliegen.
Abstiegshilfen
Ohren anlegen: Mit den geteilten A-Tragegurten eine sehr einfach durchzuführende Angelegenheit. Allerdings bleibt das Manöver relativ ineffizient, da nur geringe Flächenteile einklappen. Durch Nachziehen kann die Effizienz erhöht werden. Die Öffnung erfolgt selbständig, leicht verzögert.
B-Stall: Mit dem Pulsar wird diese Manöver zur Schwerarbeit. Hat man die hohen Kräfte zur Einleitung überwunden, verhält sich der Intermediate im B-Stall stabil und zeigt keine Tendenz zur Rosettenbildung oder ähnlichen, eventuell gefährlichen Manövern. Die Sinkwerte bleiben mit etwa 6,5 m/s gering. Bei der Ausleitung ist keine Sackflugtendenz feststellbar, der Pulsar fährt zuverlässig
Steilspirale: Für den ungeübten Piloten ist das Manöver einfach einzuleiten, da der Pulsar auf Grund seiner hohen Dynamik sehr schnell in eine Steilspirale mit hohen Sinkwerten übergeht. Die Ausleitung ist nicht schwierig, aber wie bei allen dynamischen Gleitschirmen ist eine dosierte, aktive Ausleitung der Steilspirale aber empfehlenswert!
Eignung
Der Pulsar ist ein würdiger Nachfolger für den bewährten Serak. In entscheidenden Punkten konnte noch eine zusätzliche Verbesserung unter Beibehaltung der grundlegenden Vorzüge des Serak erreicht werden.
Der Pulsar ist auf Grund seiner hohen Dynamik am oberen Ende der 1-2-er-Einstufung anzusiedeln. Der quirlige Spanier gehört in bereits erfahrene Hände, die seine Stärken bei Streckenflügen oder auch nur in der Thermik voll ausschöpfen können. Freunde dynamischer Gleitschirme finden mit dem Pulsar einen Partner für nette "Freestyle-Spiele", denn der Flugspaß steht beim Pulsar immer mit an erster Stelle.
Technische Daten
| größe |
23 |
25 |
27 |
30 |
| zellen |
52 |
52 |
52 |
52 |
| startgewicht (kg) |
60-80 |
70-90 |
85-105 |
100-125 |
| spannw. ausgel. (m) |
11.12 |
11.52 |
11.9 |
12.44 |
| spannw. proji. (m) |
9.22 |
9.55 |
9.86 |
10.31 |
| flöche ausgel. (m2) |
24.10 |
25.85 |
27.6 |
30.15 |
| flöche proji. (m2) |
21.27 |
22.8 |
24.3 |
26.6 |
| streckung ausgel |
5.13 |
5.13 |
5.13 |
5.13 |
| gewicht (kg) |
7.2 |
7.47 |
7.68 |
8.3 |
| lienenlönge (m) |
6.71 |
6.94 |
7.17 |
7.49 |
| AFNOR gütesiegel |
standard |
|
|
|
| DHV gütesiegel |
|
1-2 |
1-2 |
1-2 |
| Vmin: |
Vtrimm: |
Vmax: |
Vsink: |
| 22 km/h |
37 km/h |
50 km/h |
- |
| Keppe: |
Lienen: |
| Porcher Marine Skytex |
Kevlar + Dyneema |
Testbendingungen
Der Pulsar 27 war im Herbst/Winter 2003/2004 mein Testgerät. Knackige Thermikflüge in Castelluccio und Meduno/Italine sowie Winterflüge in der österreichschen Heimat boten ein abwechslungsreiches Spektrum wurden 12 Testflüge (9 Flugstunden) absolviert. Während der Testflüge wurde ein Gurtzeug von Pilots Right Stuff verwendet. |
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Testprotokoll
Bräuniger IQ Basis II,
GPS at 700m MSL |
| Vmin |
22 km/h |
| Vtrimm |
37 km/h |
| Vmax |
52 km/h |
| Testpilot |
97 kgs |
| Fläuchenbelastung |
3.62 kg/sqm |
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